All In Movie Review

 
All In Movie Review


Regisseur: Nick Vallelonga
Cast: Dominique Swain, Michael Madsen, Louis Gossett, Jr.

Schon dem Titel dieses Streifens mangelt es an Kreativität, was ein Hinweis auf die Qualität des ganzen Filmes ist. Kurz gesagt: „All In“ ist nicht gut. Die Kombination aus einer absurden Handlung, schlecht entwickelten Charakteren, einem Drehbuch ohne Inspiration und unterdurchschnittliche Schauspielkunst erinnert an einen schlechten Fernsehfilm, den man entweder um 3 Uhr Nachmittags oder 3 Uhr Nachts im RTL sieht.

Die Handlung dreht sich um „Ace“ (Dominique Swain), die das Pokern als Kind von ihrem Vater „Seal“ (Michael Madsen) gelernt hat, einem ehemaligen Navy-Seal, der als professioneller Glücksspieler lebt. Als Ace 10 Jahre alt ist, stirbt Seal an einem Autounfall und Ace wird von nun an alleine von ihrer total christlich-fundamentalistischen Mutter aufgezogen. Als Ace heranwächst verlässt sie schließlich ihre Mutter um Medizin zu studieren.

Eines der ersten Dinge, die sie an der medizinischen Fakultät unternimmt (es ist schwer den Zeitablauf zu bestimmen – es scheint als würde alles innerhalb von ein paar Tagen geschehen nachdem sie in der Fakultät angekommen ist), ist es zusammen mit ihren zwei weiblichen Zimmergenossen und drei männlichen Klassenkollegen für einen Test zu pauken. Danach spielen die 6 zusammen Strippoker und es stellt sich heraus, dass Ace ein glückliches Händchen beim Pokern hat. So beschließen die anderen 5 ein Pokerteam zu gründen um so mit Ace als Anführer das Schulgeld aufzutreiben. Alle Teilnehmer des Teams haben spezielle Talente (Einschätzung der Gegenspieler, mathematische Begabung, photographisches Gedächtnis, etc.), welche zusammen angeblich eine unüberwindbare Pokerkraft ergeben. Nein, sie machen keine Kollusion – Ace spielt, während die anderen sie vorher mit Informationen über ihre Gegenspieler versorgen.

Seitenbemerkung: Alle Mitglieder der Gruppe von Medizinstudenten sind so attraktiv, wie man sich nur vorstellen kann. Eine der Schauspielerinnen, Michelle Lombardo, ist sogar ein Bikini-Model von Sports Illustrated. Die gesamte Strippoker-Szene sieht aus wie aus einem kitschigen Streifen der 80er.

Wie erwartet schafft es Ace schließlich bis an den Finaltisch eines großen Turnieres. Man kann sich bereits denken, wie es weiter geht und dann kommt natürlich eine Wendung, die auch leicht vorher zu sehen war.

Das Pokerspiel an sich ist eigentlich ganz in Ordnung. Wie man sich bereits denken kann kommt es vor, dass sich plötzlich durch eine weitere Karte des Flops ein anderer Spieler die Führung übernimmt und dann durch eine weitere Karte wieder die ursprüngliche Person die besseren Karten hat. Doch abgesehen davon ist das Pokern ansonsten relativ wirklichkeitsgetreu. Was über die Handlung nicht gesagt werden kann.

Die Rolle der Mutter von Ace ist im Grunde völlig überflüssig. Nachdem sie Seal verboten hat weiter Poker zu spielen und dieser es dennoch tun, schmeißt sie ihn schließlich aus dem Haus und er wirft ihr dabei folgenden klischeehaften Satz an den Kopf: „Du hast genau gewusst auf was du dich einlässt, als du mich geheiratet hast.“. Sie schreit zurück und er verstirbt kurz darauf. Im wirklichen Leben hätten diese beiden sicher nie geheiratet, diese Tatsache kann einen ganz schön aufregen. Sie ist eine Art von bibelpredigenden „Spielen-ist-eine-Sünde-du-fährst-zur-Hölle“-Frau und er ist ein seit langem schon heruntergekommener Spieler. Noch dazu enterbt sie Ace, da diese die medizinische Fakultät besucht und ihre Mutter der Ansicht ist, dass das Schicksal nur in den Händen Gottes liegen darf. Das kann es doch nicht sein… Oder? Ist es nicht ein wenig übertrieben sein Kind zu enterben, weil es Arzt werden möchte?

Der Pokerplan, den die Gruppe von Medizinstudenten ausgeheckt hat, hätte besser ausgeführt werden können. Das Ganze war einfach gar nicht entwickelt. Sie spielten einmal Strippoker, beurteilten Aces Pokerfertigkeiten anscheinend anhand nur eines Blattes und stürmten dann gleich los ins Kasino. Es sah anfangs vielversprechend aus, und es wäre durchaus interessant gewesen mehr davon zusehen, wie das Team zusammen den Plan ausheckt. Doch die Ausführung war hauptsächlich zum Wegwerfen.

Neben der Handlung übers Pokerspielen gibt es noch ein zweites Thema, wo es darum geht wie es Ace als Medizinstudent im Krankenhaus der Fakultät ergeht. Einige Dramen folgen, unter Anderem illegale Geschäfte ihrer Ausbilder. Die ganze Nebenhandlung ist völlig überflüssig.

Es wurde nicht genug Zeit dafür aufgewendet, die einzelnen Charaktere gut genug auszufeilen, weil es zu viele unnötige Nebenhandlungen gibt und eine zu große Anzahl an Charakteren: Ace, ihre 5 Freunde, Seal, Aces Mutter, Seals Freund Caps (Louis Gossett, Jr.), ein paar Ärzte und einige Pokerspieler. Welch ein Unterschied zu dem Film „Rounders“, wo die Anzahl der Hauptdarsteller niedrig gehalten wurde und man bei einer Handlung geblieben ist, wodurch es den Zusehern möglich war das Geschehen auch wirklich nachzuempfinden.

Vielleicht war es aber auch gut, dass die Charaktere nicht sehr tief erläutert wurden, da die Schauspielkunst einfach grauenhaft war. Die Besten Darsteller waren Madsen und Gossett Jr., wobei ersterer die gleiche Rolle spielt wie immer und Gossett kommt kaum im Film vor. Der Rest der Darsteller hätten wohl besser in eine billige Serie für Kinder gepasst.

Das Ganze zusammen ergibt einen schlechten Pokerspielfilm. Sollten Sie es zufällig einmal im Nachmittagsprogramm eines Fernsehsenders finden, schauen Sie es sich ruhig an, warum auch nicht. Doch verschwenden Sie nicht Ihre Zeit damit, sich den Film auszuleihen oder gar zu kaufen. Sie verpassen mit Sicherheit nichts!