Die Perfekte Falle stellen

 
Die Perfekte Falle stellen


Viele Spieler, wenn sie beim Flop ein super Blatt haben, wenden eine Technik an, die als „Fallenstellen“ („Trapping“ auf Englisch) bekannt ist. Auch wenn diese Strategie sehr einfach schein, so muss man als Spieler aber schon ein paar Variablen dabei berücksichtigen, um eine Falle so effektiv wie möglich anzuwenden. Hier werden wir einige dieser Variablen diskutieren und darüber sprechen, wie man genau die optimale Situation für eine Falle erreicht.

Eine Falle zu stellen kann eine der gewinnbringendsten Schachzüge sein, die man an einem Pokertisch unternehmen kann. Doch damit man das erreicht, muss man schon mehr tun, als nur ein tolles Blatt am Flop zu haben und zu passen. Nun folgen ein paar Richtlinien, die Ihnen helfen soll Ihre Fallen so effektiv wie möglich zu machen:

Den Gegner durchschauen: Jedes Mal wenn ich irgendetwas schreibe, was mit Poker zu tun hat, so schreibe ich immer gleich am Anfang, dass man seinen Gegner durchschauen muss. Ob es sich nun um Bluffen oder ums Fallenstellen handelt, das Wichtigste dabei ist, dass man als Pokerspieler versteht mit welchen Gegnern man es zu tun hat. Konventionell gedacht würde man hauptsächlich versuchen aggressiven Spielern Fallen zu stellen. Dies ist nur logisch, da ein Spieler der generell eher zum Setzen tendiert, auch wahrscheinlicher mit schlechteren Blättern mitgeht. Die klassische Falle sieh so aus: Man bekommt beim Flop ein Monsterblatt, danach passt man oder geht ruhig mit, je nachdem in welcher Position man sich befindet, und danach beim Turn oder River legt man los. Ok, das macht schon Sinn. Aber das Problem mit dieser Strategie ist, dass sie nicht flexibel ist und je nach Ihrem Spielstil ist es auch eher leicht rauszufliegen. Um zu verstehen wie man seine Falle tarnen kann, müssen wir uns ansehen wie man sein Monsterblatt mit dem Flop abstimmt.

Ihr Monster mit dem Flop abstimmen (was Sie haben gegen das, was er hat): Lassen Sie uns zu aller erst darüber sprechen, was mit einem Monster beim Flop nicht gemeint ist. Folgendes gilt nicht als Monsterblatt: Das höchste Paar oder ein Top-Paar mit einem Top-Kicker. Ein Monster ist ein Blatt, wo beide Ihre Startkarten für die Zusammenstellung des Blattes benutzt werden. Das schwächste Monster sind also zwei Paare, was eventuell auch gar kein Monster ist, wenn durch die Karten am Tisch die Möglichkeit besteht, dass sich jemand anders eine Straße oder ein Flush aufbaut. Danach kommt ein Drilling, was mit Sicherheit ein Monster ist, wenn der Flop kein Paar enthält (das ist so, als ob man zwei Damen hat und am Tisch A D 5 liegt). Wenn sich aber ein Paar im Flop befindet, so gilt dieses Blatt nur bedingt als Monster (in diesem Fall wäre es so als ob man Bube 7 hat und am Tisch 7 7 K liegt). Danach kommen Straßen, die beim Flop immer als Monster gelten, dann kommen Full-Houses, Vierlinge und gleichfärbige Straßen (welche ganz offensichtlich Monster sind).

Nun da wir definiert haben, was ein Monster auch wirklich ist, sehen wir uns noch genauer an, wie man seinen Gegner einschätzen kann, was Sie bereits können sollten:

• Erhöhter Pot, heads-up: Wenn Sie beim Flop ein Monster bekommen haben und sich in einem erhöhten Pot mit nur einem Gegenspieler befinden, so ist das erste was Ihnen durch den Kopf gehen sollte, folgendes: „Hat er ein Ass?“ speziell wenn der Flop ein Ass beinhaltet (wie z. B. A Z 6) und Sie ein Paar aus Zehnern haben, dann bietet dies eine perfekte Situation um eine Falle zu stellen. Wenn sich also ein Ass am Tisch befindet und ich als erster am Zug bin, so werde ich entweder eine mickrige oder überstarke Wette setzen (was den meisten guten Spielern Schwäche signalisiert). Also in diesem Fall würd das eine Wette von ungefähr der Hälfte des Pots oder dem doppelten sein. Die meisten Fallensteller gehen beim Flop einfach nur mit, doch ich fürchte, dass dies eher die Stärke des Blattes verrät, oder es wird Ihr starkes Blatt später verraten, wenn Sie dann passen-erhöhen oder passen-mitgehen. Manchmal ist es der beste Trick, wenn man einfach direkt drauf loslegt. Hierbei würde ich nur eine Ausnahme machen und zwar wenn Ihr Gegner knapp an Chips ist. Wenn Ihre Wette ihn in eine Situation bring, in der er entweder seine Karten niederlegt oder all-in geht, dann sollten Sie passen und darauf warten, dass er sich selbst erhängt. Wenn Sie nicht als erster am Zug sind, dann ist die klassische Vorgehensweise immer genau das zu tun, was der Gegner macht: Passt er, so passt man auch, setzt er 50$, so setzt man selbst auch 50$. Es ist eine schwierige Frage, ob man beim Flop mit einem Monster eine Wette weiter erhöhen soll oder nicht. Man könnte es so verkaufen als ob man einen Zug macht (eine ganz schnelle erneute Erhöhung oder eine zu große erneute Erhöhung), und dann loslegen! Ansonsten ist es am Besten den, der die Wette gemacht hat, die Führung zu überlassen.

• Erhöhter Pot mit mehreren Gegnern: Das sind die leichtesten Blätter um damit Fallen zu stellen und es wird so auch am profitabelsten ausfallen. Warum? Weil es mindestens doppelt so wahrscheinlich ist, dass einer Ihrer Gegner ein gutes Blatt hat, da Sie es mit mindestens doppelt so vielen Gegnern zu tun haben, als bei einer heads-up Runde. Denken Sie daran, dass die besten Aussichten auf großen Profit bestehen, wenn Ihr Gegner ein Blatt hat, welches gut genug ist um damit mitzugehen. Folgendes ist zu 100% so, keine Ausnahmen: Wenn man am Flop ein Monster hat und mehr als ein Spieler sich am Pot beteiligen, dann geht man am Flop einfach mit ohne zu erhöhen. Man gibt so seinen Gegenspielern die Chance zuerst eine Aktion zu tätigen. Ich kann mich noch gut erinnern, einmal am Flop ein Nut-Flush gehabt zu haben. Ich war in der ersten Position und ging am Flop einfach nur mit. Nach mir kamen zwei Typen, die seit Stunden wie rivalisierende Steinböcke gegeneinander krachten. Die beiden erhöhten sofort und erhöhten die Wetten des anderen danach noch weiter. Die Runde kommt zurück zu mir und ich ging einfach nur mit (warum das für die beiden anderen kein Warnsignal war, kann ich nicht sagen). Dann geht doch wirklich der Typ, dessen Wette vom anderen erneut erhöht worden war, für ungefähr weitere 300$ all-in und der Pot beträgt somit 700$ um der Flop besteht aus drei Herz-Karten. Der andere legt seine Karten nieder und der Typ, der all-in gegangen war greift schon nach dem Pot, da er ganz vergessen hatte, dass ich mitgegangen war. Als er schon mit seinen dummen Fingern am Pot war, wies ihn der Kartengeber ganz höflich darauf hin, dass ich noch immer am Pot beteiligt war und dass er bitte keine Chips berührte, die nicht seine waren. Sein Gesichtsausdruck war einfach genial. Man konnte seine Gedanken förmlich daraus ablesen: „Ach ja, der Typ da…. oh je.“ Natürlich ging ich mit und es stellte sich heraus, dass er ein hohes Paar hatte und die Herz-Dame um sich später so selbst ein Flush zu ziehen. Gegen mein Nut-Flush gab es da für ihn 0 Outs, als keine einzige Karte, die ihm helfen würde mich zu schlagen. Diese Runde kann als ein Lehrbeispiel für eine ganze Menge an Pokerlektionen dienen, von „Bewerten Sie Ihr Blatt nicht über“ oder „Analysieren Sie immer Ihre Gegner“ bis hin zur klassischen „Seinen Sie kein Blödmann“-Lektion.

• Pots die nicht erhöht wurden: In solchen Situationen ist es am schwersten mit einem Monsterblatt Profit rauszuschlagen, da die Gegner eventuell gar nicht am Pot interessiert sind. Das sind die Runden, wo alle bis zum River immer nur mitgehen, wenn keiner ein gutes Blatt bekommt. Im Grunde hat man hier Glück in der unglücklichsten Situation, die man an einem Pokertisch nur haben kann und man muss halt weiterhin mitgehen und hoffen, dass einer der Gegner am Turn oder River schließlich ein brauchbares Blatt zum Mitgehen bekommt. Ich würde sogar soweit gehen, auch am River noch einfach nur mitzugehen, sollte ich als erster am Zug sein. In dieser Situation sollte man aber mit zwei Paaren vorsichtig sein. Wie bereits erwähnt zählen zwei Paare nur selten als Monster und wenn der Turn und River für den Gegenspieler genau die richtigen Karten bereit hält, dann kann sich dieser eventuell so eine Straße oder ein Set bilden, ohne auch nur vor dem River zu setzen. Es ist fast unmöglich dieses Blatt bei einem Gegner zu erkennen (da diese am Turn nicht setzen werden) und da man selbst bereits das Fallenstell-Manöver anwendet, so wird man mindestens mitgehen und dann zum Schluss auch sehr wahrscheinlich eine hohe Wette setzen. Generell eine sehr heikle Situation, Pots die noch nicht erhöht wurden sind echt kein guter Ort, um eine Falle zu stellen. Spielen Sie das Blatt am besten stark, außer Sie bekommen bereits am Flop einen „Godzilla“ (Vierling oder eine gleichfärbige Straße).

Fallenstellen wird als Strategie weitgehend zu oft angewandt, speziell von weniger erfahrenen Spielern. Auch wenn man damit manchmal in der richtigen Situation guten Profit machen kann, so sehe ich auch viel zu häufig Spieler, die ihre Karten zu gut einschätzen und dann beim River verlieren (mit zum Beispiel zwei Paaren oder unterlegenen Straßen). Und ein starkes Blatt auch demensprechend zu spielen kann einem auch weit bringen, da Sie so später im Spiel als geradliniger Spieler gesehen werden, der ein starkes Blatt auch stark spielt, und nicht als Trickser. Dadurch kann man dann später einen viel profitableren Schachzug machen als mit einer Falle: einen Bluff. Wenn also eine Situation für eine Falle perfekt geeignet ist, dann stellen Sie dieses. Ansonsten machen Sie keine Mätzchen, sonder holen Sie sich einfach nur die Chips.